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Kirchen, Orgeln und Glocken in Münster
Altstadt - kath. Paulusdom

Die Orgeln im kath. St. Paulus-Dom zu Münster

 

In den Bombennächten der Jahre 1942-45 fand mit dem Untergang der Kathedralkirche auch eine 800jährige Orgel- und Glockengeschichte ihr trauriges Ende. 1181 wird eine mit dem Organistenamt verbundene Vikarie am Alten Dom (1875 abgebrochen) erstmals erwähnt. Die Münsterschen Domorganisten haben also eines der ältesten ununterbrochen besetzten Ämter in der Stadt inne.
Im großen Dom gab es 1534, als die Wiedertäufer fast alle Instrumente in der Stadt zerstörten, mindestens zwei Instrumente. Die große Orgel hing als Schwalbennest am mittleren Pfeiler der Nordwand des Mittelschiffs. Die Nachfolgeinstrumente (Arendt Lampeler van Mill, Arnold Bader) wurden 1755 durch einen Neubau von Johann Patroklus Möller auf der Empore des Westchors ersetzt, dessen sehr breites Barockgehäuse das große Westfenster frei ließ. Nach einer Verlegung in den Seitenchor über dem Kapitelshaus 1862 bestand diese, wegen ihrer Klangpracht gerühmte Orgel bis zur Kriegszerstörung.

Nach dem langwierigen Wiederaufbau konnte 1957 eine Orgel von Johannes Klais (Bonn) an gleicher Stelle eingeweiht werden. Sie wurde 1987 von der Erbauerfirma mit einem völlig neuen Gehäuse und weitgehend unverändertem Klangbestand vor dem Südfenster des östlichen Querschiffs aufgestellt. 2002 wurden (wiederum durch Klais) geringfügige Dispositionsumstellungen vorgenommen und zur Verbesserung der Beschallung im westlichen Teil des Doms ein  Auxiliarwerk im Nordturm aufgestellt. Dieses erfuhr 2014 eine Erweiterung, bei der die Tuba episcopalis zusammen mit einer Klarinette und einem Ensemble aus Doppelflöten- und Gambenpfeifen in einem separaten Schwellkasten aufgestellt wurde. Die Ansteuerung erfolgt vom ebenfalls 2014 reorganisierten Hauptspieltisch aus, uneinheitlich gestalteten Registerschalter durch übersichtlicher angeordnete, halbrunde Tastenwippen ersetzt wurden. Das Pfeifenwerk wurde gereinigt und neu intoniert.

Eine zweite, kleinere Orgel hing bis mindestens 1758 an der Westwand des Nordarms im Ostquerschiff. Von ihr zeugen heute noch Spuren einer Konsole im Quaderwerk über dem Seitenschiffsbogen und eine unter dem Seitenschiffsdach sichtbare gotische Spitzbogentür sowie Reste eines hölzernen Windkanals.
Zugänglich waren beide Instrumente durch einen Treppenturm an der Außenwand des nördlichen Seitenschiffs, der sowohl zum Domherrenfriedhof als auch zum Kirchenschiff Türen besaß. Möglicherweise war an dieser Stelle auf dem Dach auch ein Balghaus vorhanden. Nach dem Krieg, der den Dom gerade in diesem Bereich schwerstens beschädigt hatte, wurde dieses letzte Zeugnis der mittelalterlichen Orgelanlage zugemauert.

Die älteste heute in Münster erhaltene Orgel stand - wie eine Aufnahme des Münsterschen Fotopioniers Friedrich Hundt belegt, spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts (vermutlich aber schon seit der Barockzeit) auf dem prachtvollen Renaissance-Lettner. Nach dessen Abbruch wanderte das Instrument eines unbekannten Erbauers aus dem 17. Jahrhundert in die Marienkapelle. Heute dient es im Westchor u.a. der Begleitung der Vespern.

Der erste dokumentierte Umbau erfolgte 1960 durch Franz Breil. Dabei wurde nicht nur das Pfeifenwerk größtenteils erneuert, sondern auch die von der damaligen Denkmalplfege als erhaltenswert eingestufte technische Einrichtung. Johannes Rohlf fiel - nach einer provisorischen Überholung 2005 - die reizvolle Aufgabe zu, in dem erhaltenen Gehäuse einen klanglichen und technischen Neubau auszuführen, bei dem neben den beiden Registern Gedackt 8' und Holzprincipal 4' auch die mit Ebenholzstiften verzierte Klaviatur aus der Erbauungszeit einbezogen werden konnte. Gegenüber der Disposition von 1960 wurde die Klangpyramide praktisch eine Oktave tiefer versetzt. Die Weihe erfolgte am 22. September 2009.

 

Disposition der Hauptorgel (Klais 1957 / 1987 / 2002)

I. Manual Positiv C-a'''
1. Praestant 8' 1987 Prospekt
2. Koppelflöte 8'  
3. Unda maris 8' 2014
4. Quintadena 8'  
5. Principal 4'  
6. Blockflöte 4'  
7. Nasard 2 2/3'  
8. Principal 2'  
9. Rohrflöte 2'  
10. Terz 1 3/5'  
11. Sifflöte 1 1/3'  
12. Septime 1 1/7'  
13. Octävchen 1'  
14. Mixtur IV-VI    
15. Cromorne 8' 2002
16. Trompete 8' 2002
  Tremulant    
  Glockenspiel der astronomischen Uhr   10 Töne des' - f''
 
II. Manual Hauptwerk C-a'''
1. Principal 16' Prospekt 
2. Metalloctave 8' 1987
3. Holzoctave 8'  
4. Grobgedackt 8'  
5. Große Quinte 5 1/3'  
6. Octave 4'  
7. Spillflöte 4'  
8. Große Terz 3 1/5'  
9. Quinte 2 2/3'  
10. Superoctave 2'  
11. Mixtur VI-VIII   1987
12. Acuta IV   1987
13. Cornet V    
14. Trompete 16'  
15. Trompete 8' 1987
16. Trompete 4' 1987
 
III. Manual Récit C-a'''
1. Principal 8'  
2. Gedacktflöte 8'  
3. Spitzgedackt 8'  
4. Principal 4'  
5. Querflöte 4'  
6. Schwegel 2'  
7. Rauschpfeife II-III    
8. Mixtur V-VI    
9. Fagott 16'  
10. Trompette harmonique 8'  
11. Hautbois 8'  
12. Clairon 4' 2002 
  Tremulant    
 
IV. Manual Schwellwerk C-a'''
1. Gedacktpommer 16'  
2. Holzprincipal 8'  
3. Rohrflöte 8'  
4. Gamba 8' 2002 
5. Vox coelestis 8' 1987
6. Octave 4'  
7. Quintadena 4'  
8. Hohlflöte 2'  
9. Sesquialter II    
10. Mixtur IV    
11. Terzcymbel III-IV    
12. Regal 16'  
12. Rohrschalmey 8'  
14. Vox humana 8'  
  Tremulant    
 
Pedal C-g'
1. Untersatz 32'  
2. Offenflöte 16' Prospekt 
3. Principalbass 16'  
4. Subbass 16'  
5. Octavbass 8'  
6. Rohrgedackt 8'  
7. Tenoroctave 4'  
8. Spitzflöte 4'  
9. Octave 2'  
10. Mixtur VI    
11. Hintersatz IV    
12. Contraposaune 32'  
13. Posaune 16' 1987 
14. Bombarde 16'  
15. Trompete 8'  
16. Clarine 4'  
 
Nebenregister
1. Manualkoppel I-II    
2. Manualkoppel III-II    
3. Manualkoppel IV-II    
4. Manualkoppel III-I    
5. Manualkoppel IV-I    
6. Manualkoppel IV-III    
7. Pedalkoppel I-P    
8. Pedalkoppel II-P    
9. Pedalkoppel III-P    
10. Pedalkoppel IV-P    
  Kuckuck    
  Schleifladen   1987
  Spieltraktur: mechanisch   1987
  Registertraktur: elektrisch   1987 / 2014
  elektronische Setzerkombinationen   1987 / 2014
  Winddruck: 80-120 mm WS    2002

Disposition der Turmorgel (Klais 2002/2014)

 
Hauptlwerk C-a''' (ohne eigene Klaviatur)
1. Principal 8' Prospekt 
2. Gamba 8'  
3. Gedacktflöte 8'  
4. Octave 4'  
5. Rohrflöte 4'  
6. Superoctave 2'  
7. Cornet V    
8. Mixtur V    
9. Trompete 8'  
 
Schwellwerk C-a''' (ohne eigene Klaviatur) 2014
1. Doppelflöte 16' 2014
2. Doppelflöte 8' 2014
3. Sologambe 16' 2014
4. Sologambe 8' 2014
5. Klarinette (durschlagend) 8' 2014
  Tremulant    
6. Tuba episcopalis 16'  
7. Tuba episcopalis 8'  
8. Tuba episcopalis 4'  
 
Pedal C-g' (ohne eigene Klaviatur)
1. Subbass 16'  
2. Posaune 16'  
 
Koppeln
1. HW - I    
2. HW - II    
3. HW - III    
4. HW - P    
  Sub- und Superoktavkoppeln I/II/III/P    
5. SW - I    
6. SW - II    
7. SW - III    
8. SW - P    
9. Tuba - I    
10. Tuba - II    
11. Tuba - III    
12. Tuba - P    
       
  Windruck: 110-120 mm WS    
  Winddruck Tuba: 450 mm WS    
  Schleifladen    
  Lichtwellenleiter zur Hauptorgel

Disposition des historischen Positivs (Anonym, 17. Jh. / Johannes Rohlf 2009)

Manual C,D - h / c' - c'''
1. Gedackt 8' Eiche (alt)
2. Salicional 8' Diskant, 52% Zinn
3. Holzprincipal 4'  Eiche (alt)
4. Rohrflöte 4' 97% Blei, ab c' Röhrchen
5. Nasard 2 2/3' C-h ged. mit Röhrchen
6. Octave 2'  52% Zinn
7. Trompetenregal 8'  Becher 52 % Zinn
    8' B + D 
      Winddruck 54 mm WS
      Werckmeister III (1691)

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