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Kirchen, Orgeln und Glocken in Münster
Innenstadt - ev. Matthäuskirche

Die Führer-Orgel der ev. Matthäuskirche Münster

Wie für neue Kirchen und Glocken, so gab es auch für Orgeln nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs einen fast unersättlichen Markt. Bestellzeiten von fünf Jahren und länger für ein einfaches, zweimanualiges Instrument waren bis in die 70er Jahre keine Seltenheit. Zu den Firmen, die trotz sehr hoher Produktionsquoten durchaus handwerklich solide Instrumente lieferten, gehörte die (bis zur Insolvenz 2003) in Wilhelmshaven ansässige Werkstatt Führer.

Der der 1905 geborene Alfred Führer lernte nach einer Tischlerlehre das Orgelbauerhandwerk bei der damals renommiertesten norddeutschen Firma Furtwängler & Hammer. Seine selbständige Tätigkeit in den 30er Jahren stand von Anfang an unter dem Leitstern der "Orgelbewegung" und orientierte sich an den Prinzipien der norddeutschen Barockorgeln, von denen er viele in seiner oldenburgischen Heimat restaurierte. Sein Neffe Fritz Schild perfektionierte nach dem Tode seines Onkels 1974 das handwerkliche Niveau der Restaurierungen auf international beachtetem Niveau.

Nach dem Zweiten Weltkrieg dehnte sich das Absatzgebiet der Firma auf weite Teile Norddeutschlands inklusive der Hansestädte Bremen und Hamburg aus. Obwohl sie auch in zahlreichen katholischen Kirchen (insbesondere im "Oldenburger Münsterland") mit teils repräsentativen Instrumenten vertreten ist, gibt es in Münster nur drei Instrumente aus der Wilhelmshavener Werkstatt: Neben der Matthäuskirche besitzen noch die Friedenskirche in Gremmendorf und das Gemeindezentrum Albachten eine Führer-Orgel. (Die heute in der kath. Pfarrkirche St. Pantaleon in Roxel stehende Orgel wurde ursprünglich für eine Gemeinde in Essen gebaut.)

Die 1969 fertiggestellte Matthäuskirchen-Orgel repräsentiert einen Typ, der zwischen 1950 und 1970 fast ungezählte Male - quasi "in Serie" geliefert wurde. Das schlichte Gehäuse ist in zeittypischer Möbeltischlertechnik erstellt und wird im Inneren meist von einem Eisengerüst getragen - im Gegensatz zur norddeutschen Barockorgel, deren Rahmenkonstruktion selbsttragend ist. Die Disposition ist durch und durch neobarock, allerdings ohne die Klangexperimente mit exotischen Obertönen, die Alfred Führer in etlichen katholischen Kirchen (meist auf Wunsch bestimmter Orgelberater) eingebaut hat.

Ein heutiger Kirchenmusiker wird möglicherweise den  Verzicht auf sanfte, dunkle Klänge bemängeln, doch ist zu bedenken, dass das Instrument vor der Rehabilitierung der "Orgelromantik" konzipiert wurde. Seinen Zweck - niveauvolles Musizieren in Gottesdienst und Konzert - erfüllt es im Rahmen der stilistischen Vorgaben zweifelsohne.

Hauptwerk C-g'''
1. Prinzipal 8'  
2. Rohrflöte 8'  
3. Oktave 4'  
4. Gedacktflöte 4'  
5. Nasard 2 2/3'  
6. Oktave 2'  
7. Mixtur IV 1 1/3'  
8. Trompete 8'  
Brustwerk C-g'''
1. Gedackt 8'  
2. Blockflöte 4'  
3. Prinzipal 2'  
4. Quinte 1 1/3'  
5. Scharff III 2/3'  
6. Regal 8'  
  Tremulant    
Pedal C-f'
1. Subbass 16'  
2. Prinzipal 8'  
3. Gemshorn 4'  
4. Nachthorn 2'  
5. Rauschpfeife III 2 2/3'  
6. Fagott 16'  
Nebenregister
1. Manualkoppel BW/HW    
2. Pedalkoppel HW/P    
3. Pedalkoppel BW/P    
  Schleifladen    
  Spieltraktur: mechanisch    
  Registertraktur: elektrisch    
  • Faltblatt "Die Matthäusgemeinde" mit Texten von Barbara Pankoke und Katrin Plümpe.
  • Karl Hagemann: Münster - Stadt der Kirchen. Münster 1983, S. 130-131

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