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Kirchen, Orgeln und Glocken in Münster
Altstadt - kath. Ludgerikirche

Die Kreienbrink-Orgel der kath. Pfarrkirche St. Ludgeri in Münster


 

Wer beim Betreten der Ludgerikirche den Blick zur Ostwand des nördlichen  Seitenschiffes richtet, mag das dort stehende Instrument für eine der seltenen Spuren barocken Orgelbaus in Münster halten.  Aber  ganz ähnlich wie der  1998 geerbte Tiroler Flügelaltar  und der süddeutsche Schmerzensmann ist auch dieses Ausstattungsstück lange nach seiner Entstehungszeit  "eingemeindet" worden. Der Prospket stand bis 1959 in der Warendorfer Marienkirche. Dort war er um 1750 von einem anonymen Meister aufgestellt worden.

Ein ebenfalls unbekannter Orgelbauer hatte 1847 wesentliche Teile des Pfeifenwerks erneuert. Auch wer (nach 1900?) eine Äoline und einen freistehenden Spieltisch mit pneumatischer Traktur hinzufügte, ist nicht bekannt. Als die Warendorfer Kirche ab 1959 erweitert wurde, baute die Firma Matthias Kreienbrink aus Osnabrück dort eine neue Orgel. Das nicht mehr verwendete Barockgehäuse wurde nach Münster gegeben und dort 1966 mit einem neuen Werk versehen zu ebener Erde aufgestellt. Etwa zehn Jahre später wurde der Holzdulcian im Hauptwerk durch eine Gambe 8' ersetzt. Auf eine farbliche Fassung des - in seinem Unterbau wohl schon früher umgestalteten Prospekts - wurde dabei verzichtet.

Während typisch westälische Orgelgehäuse des Barock oftmals eine Reihe von Besonderheiten aufweisen, die eine Zuordnung ermöglichen, ist dieses Instrument hinsichtlich der Feldaufteilung (polygonaler Mittelturm, zwei spitze Seitentürme, vier flache Zwischenfelder) so universal "norddeutsch", dass eine Ermittlung des Erbauers ohne Archivalienfunde wohl aussichtslos erscheint.

Die Ludgerikirche hatte bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg eine reiche Orgelgeschichte aufzuweisen. Eine erste Erwähnung 1522 lässt eine längere Vorgeschichte vermuten. 1590 setzte Reinhardt Lampeler van Mill einen von seinem verstorbenen Bruder Arendt begonnenen Neubau fort. Das zweimanualige Instrument, das möglicherweise auf einem Apostelgang stand,  wurde 1831 durch einen Neubau des Orgelbauers Breidenfels vor dem Westfenster ersetzt, der bereits 1858 durch Laudenbach aus Dülmen in den Raum über nördlichen Sakristei verlegt wurde. 1878 rückte Friedrich Fleiter das Instrument wieder auf die Westseite. Diese Firma führte 1932 auch den letzten Umbau vor der Kriegszerstörung aus.

 

Disposition

I. Manual Hauptwerk C-g'''
1. Quintadena 16'  
2. Prinzipal 8'  
3. Gedackt 8'  
4. Oktave 4'  
5. Rohrflöte 4'  
6. Nachthorn 2'  
7. Sesqiualter II 2 2/3'+1 3/5'   
8. Mixur IV-VI 1 1/3'  
9. Gambe 8'  (statt Holzdulcian 16')
10. Trompete 8'  
  Tremulant    
II. Manual Brustwerk C-g'''
1. Holzgedackt 8'  
2. Gedacktflöte 4'  
3. Prinzipal 4'  
4. Schwiegel 2'  
5. Sifflöte 1 1/3'  
6. Glöckleinton II 1 3/5'+1 1/7'  
7. Scharff IV 1/3' rep. H, a, g', e'', d'''
8. Schalmey 8'  
  Tremulant    
Pedal C-f'
1. Subbass 16'  
2. Prinzipalbass 8'  
3. Gedacktbass 8'  
4. Choralbass 4'  
5. Rauschpfeife III 2'  
6. Posaune 16'  
Nebenregister
1. Manualkoppel BW/HW    
2. Pedalkoppel HW/P    
3. Pedalkoppel BW/P    
  Schleifladen    
  Spieltraktur: mechanisch    
  Registertraktur: mechanisch    

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